Der Kaukasus, eine Region, verschiedene Länder

Liebe Freunde zu Hause!

Durch die unterschiedlichen Einflüsse haben Georgien, Aserbaidschan und Armenien – außer der geographischen Lage – nicht sehr viel gemein. Armenien beispielsweise ist sprachlich indogermanisch geprägt, Aserbaidschan hingegen türkisch und Georgien semitisch geprägt. Nicht nur die Sprache, auch die Schriftzeichen sind unterschiedlich. Ähnlich sieht es bei der Kultur aus.

Die Bevölkerung und sogar der Fahrstil sind sehr unterschiedlich, lediglich eine gewisse, vielleicht durch die Geschichte entstandene ‚Schwere‘ ist uns zumindest bei den Georgiern und den Armeniern aufgefallen.

Insgesamt haben uns beide Länder begeistert und wir können nur empfehlen, diese zu besuchen!

Unseren letzten Abend in Eriwan verbringen wir gemeinsam in einem armenischen Restaurant. Wie bereits in den vorherigen Ländern befinden wir uns auch hier im kulinarischen Nirvana. Die vorzügliche Küche zieht sich bislang durch alle Länder und wir haben absolut nichts dagegen.

Auf unserer nächsten Etappe besichtigen wir Khor Wirap, ein armenisches Kloster in der Ararat-ebene. Leider bleibt uns der freie Blick auf den Ararat auf Grund einer Wolkendecke verwehrt. Müssen wir halt nochmal wieder kommen!

Unser nächstes Ziel ist Norawank, ein armenisches Kloster aus dem 13. Jahrhundert, das bis ins 19. Jahrhundert Grablege der fürstlichen Orbelian-Dynastie war und seit 1996 auf der Tentativliste des UNESCO-Weltkulturerbe steht.

Weiter geht es mit einem weiteren Kloster und einem der bedeutendsten Kulturdenkmäler Armeniens: Tatev ist ein armenisch-apostolisches Kloster aus dem 9. Jahrhundert, das auf einem Basaltplateau liegt…

…und genau dieses Hochplateau sorgt bei uns für einen Diesel-Engpass. Die Anfahrt war spritraubender als erwartet und die nächste Tankstelle weiter entfernt als unser Tankinhalt es erlaubt. Kurzerhand besorgt Dima also drei Tankkanister mit Diesel den von Dorfbewohnern! So kann es unbesorgt weiter in Richtung armenisch-iranische Grenze gehen.

Wieder gestalten wir eine Grenze abenteuerlich. Bereits die Anfahrt ist spektakulär. Wir fahren entlang einer atemberaubenden Gebirgsstraße, der Ausblick hier ist grandios, die Straße desolat.

Bei einer Reifenpanne zeigt sich der Teamgeist der ganzen Gruppe. Jedes Wohnmobil, das vorbeikommt, hilft und so ist der Reifen in Rekordzeit gewechselt und es kann weiter zur Grenze gehen. Auf Grund eines Formfehlers bei der Einreise nach Armenien verlängert sich der Aufenthalt des Großteils der Gruppe in Armenien um einige Stunden. Aber wir sind es mittlerweile gewöhnt die Grenzübergänge spannend zu gestalten.

Und natürlich passieren wir die Grenze irgendwann doch und kommen heil auf der anderen Seite an. Unser erstes Ziel heißt nun Tabriz, die Hauptstadt der ostaserbaidschanischen Provinz, die für ihre Volkslieder bekannt ist. Der Basar hier ist der größte Markt in Iran und steht auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Dieses Erlebnis lassen wir uns natürlich nicht nehmen und tauchen direkt ein in die zahlreichen Gerüche und das Menschengewimmel.

Als nächstes geht es wieder hinaus in die Wärme: Wir besuchen die blaue Moschee Masjede Kabud. Sie wurde im Jahr 1465 erbaut und beherbergt das Grabmal von Dschahan Schah, dem Führer der turkmenischen Stammesföderation der Qara Qoyunlu.

Und wieder sind wir die Attraktion der Gegend. Es finden geradezu Völkerwanderungen durch unsere Wohnmobile statt. Die Menschen heißen uns herzlich willkommen und sind sehr an uns interessiert. Würden wir jeder Einladung folgen, müssten wir wahrscheinlich monatelang hierbleiben und jeden Tag an einem anderen Tisch speisen.

Schon auf unserer letzten Tour wurden wir im Iran interviewt, und auch dieses Mal hat Ines die Ehre im Iranischen TV übertragen zu werden!

Auf unserem Stellplatz wird morgens um 07.30 Uhr Frühsport betrieben. Es bringt nichts, sich zu verstecken, Mitmachen ist unumgänglich. Dafür wird man von zig Frauen bejubelt!

Andere Länder, andere Sitten. Auf Grund der Subventionierung von Sprit und Diesel kostet letzterer ganze € 0,01. Was aus europäischer Sicht gerade jetzt wie ein Traum erscheint, führt für andere allerdings zu der Verlockung, Treibstoff beispielsweise nach Afghanistan zu schmuggeln. Deshalb ist der Diesel rationiert. Wir müssen bei der Regierung einen Tankstopp anmelden und bekommen zu einer bestimmten Uhrzeit eine bestimmte Tankstelle zugewiesen. Die Aufmerksamkeit der Tankwarte müssen wir uns diesmal mit den ungeduldig wartenden Truckern teilen.

Um ab und zu den Komfort einer richtigen Dusche mit viel Platz genießen zu können, stehen wir von Zeit zu Zeit auf dem Parkplatz eines Hotels. In Astara haben wir einen wahren Glückstreffer gelandet. Das Meeting und den Informationsabend mit Sirous, unserem iranischen Guide, verbringen wir in einer luxuriösen Umgebung mit Blick auf den idyllisch gelegenen See. Und wieder fragen wir uns, ob wir immer im Kreis fahren. Nach der armenischen Schweiz, sieht es hier aus wie in der iranischen Schweiz!

In Bandar Anzali, dem wichtigsten Handelshafen am Kaspischen Meer, fahren wir mit Booten durch eine Lagune. Einige von uns dürfen dabei eine sehr rasante Fahrt genießen, glücklicherweise geht es aber in den engen Passagen zivilisierter zu.

Diese Fotos zeigen die Helden des Tages! Um die Rudkhan-Festung zu erreichen, muss man 1.300 Stufen erklimmen. Bei Schwüle ist das eine wahrlich schweißtreibende Angelegenheit. Es verwundert uns nicht, dass ausschließlich die Schweizer unter uns oben angekommen sind. Respekt!

Wir befinden uns weiterhin in bergigen Gefilden und besichtigen das Dorf Masuleh. Besonders ist hier, dass es terrassenförmig in einen sehr steilen Abhang gebaut ist. Man kann es fast ausschließlich über Stufen und kleine Serpentinengassen erreichen, die Häuser sind zweistöckig und eng aneinandergebaut. Pragmatismus ist hier vorherrschend, denn die Dächer dienen als Fußwege für die oberhalb liegende Häuserebene. Nicht schlecht, oder?

Wir sind in der Provinz Gilan im Nordwesten des Landes angekommen. Das Rural Heritage Museum nahe des Kaspischen Meers wurde als Antwort auf ein Erdbeben im Sommer 1990 errichtet, bei dem viele traditionelle Denkmäler zerstört wurden. Das Museum informiert nun über die Traditionen, Bräuche, Architektur und das Kunsthandwerk in der Gilan-Region, um diese so zu erhalten.

Im Iran darf der Besuch einer Teefabrik natürlich nicht fehlen. Wir dürfen den Prozess vom Anbau über die Ernte bis hin zur Verwertung kennenlernen, und staunen über diese Massen!

Das beliebteste Transportmittel im Iran ist der von 1956 bis 1982 gebaute Blue Nissan Junior. Es gibt ihn in den skurrilsten Varianten, hier als Doppeldecker. Besonderes Merkmal dieser Autos ist auch der Fahrstil. Es scheint, als ob für den Nissan Junior offiziell keine Verkehrsregeln auf den Straßen gelten…

Nun dürfen wir bereits einige Zeit in diesem wunderschönen Land mit diesen tollen Menschen reisen. Im nächsten Bericht möchten wir mal wieder ein paar Vorurteile abbauen. Denn bei aller verbleibender Kritik gegenüber der iranischen Regierung, ein Land zeichnet sich in erster Linie durch die Bevölkerung und nicht die Machthaber aus. Und die Menschen im Iran sind wirklich wunderbar!

Bis nächste Woche!

Euer Abenteuerosten-Team Dima, Sirous, Tsyren und Ines