Königreich namens Isfahan

Liebe Reisefreundinnen und Reisefreunde,

es geht wie immer nahtlos weiter: Aus Teheran kommend, erreichen wir das märchenhafte Königreich namens Isfahan, von dem viele behaupten, es sei der schönste Ort überhaupt in Persien.

Einem persischen Gedicht zufolge ist Isfahan „die halbe Welt“. Kaum ein Iraner, der es nicht sein Paradies auf Erden nennt. Isfahan war einst die königliche Residenz von Schah Abbas I., der zugleich für den Bau dieses Juwels verantwortlich zeichnet.

 

Wer wissen will, wo das Polospiel seinen Ursprung hat, der ist hier an der richtigen Stelle. Hinweise in persischen Gedichten belegen, dass der sogenannte „Sport der Könige“ bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. in Persien gespielt wurde. Die Perser waren es auch, die die ersten Regeln des Spiels festlegten.

 

Könige und Gesandte wurden ab dem 17. Jahrhundert im Vierzig-Säulen-Palast (Chehel Sotun) empfangen. Dieser Palast hat jedoch nur zwanzig tatsächliche Säulen — die anderen zwanzig entstehen durch Spiegelung im Wasser. Die Vierzig gilt hier als Glückszahl.

 

Die Wände der Empfangshalle des Palastes sind mit Gemälden geschmückt, die das Leben am persischen Hof sowie wichtige Ereignisse in der Geschichte des Safawiden-Reichs – darunter die Schlachten von Schah Ismail mit den Usbeken und den Kampf mit den osmanischen Türken – darstellen.

 

Der Iran ist der siebtgrößte Teeproduzent der Welt. Die Iraner trinken zu jeder Tageszeit Tee und verzehren dazu Unmengen von Süßigkeiten – jeden Tag gönnen sie sich mehrere Tassen schwarzen Tee, den sie mit grob gehacktem Zucker namens Nabat süßen.

Auch wir genießen die süße Versuchung im angenehmen Schatten der Gärten von Chehel Sotun.

Der Emam-Khomeini-Platz gilt als zweitgrößter Platz der Welt. Die weitläufige Rasenfläche lädt dazu ein, sich mit der Familie oder mit Freunden zum Tee hinzusetzen, ein Picknick zu machen und gemeinsam Spaß zu haben.

Die Kulisse bilden einige der schönsten Gebäude Persiens – Moscheen, Paläste, Basare. Wir können auf eine Pferdekutsche aufspringen, Eis essen oder mit den Einheimischen in einem traditionellen Teehaus Tee trinken, derweil die Romantik genießen.

Dieser riesige Platz misst 510 Meter in der Länge und 165 Meter in der Breite. Er wurde von Schah Abbas dem Großen erbaut. In der Safia-Ära wurde der Platz zum Herzstück des Reiches. Er war Schauplatz von Paraden, Prozessionen und Vergnügungen.

Ali Qapu, der Palast von Schah Abbas I., ist mit Fresken geschmückt und verfügt über eine Terrasse, von der aus der Schah und seine Gäste das Pferdepolo oder die Karawanen, die auf dem Platz ankamen, beobachten konnten.

Die überdachten Gassen des nahegelegenen Basars sind gesäumt von Geschäften, die Souvenirs, Teppiche, Messingschmiedearbeiten und Kunstgegenstände verkaufen. Hier wird jeder von uns fündig auf der Suche nach Andenken und Geschenken für die Daheimgebliebenen.

Dieser Teppichhändler gönnt sich eine Mittagsruhe. Im Gegensatz zu vielen anderen hat er kein Problem bei der Suche nach einer bequemen Unterlage.

In diesem natürlich inhabergeführten Kunst- und Antiquitätengeschäft riecht es nicht nur nach alter Welt: diese kleine einzigartige Sammlung von Überbleibseln macht sie geradezu greifbar.

Die Scheich-Lotfollah-Moschee aus dem 17. Jahrhundert an der Ostseite des Emam-Khomeini-Platzes sticht mit ihrer leuchtenden Kuppel sofort ins Auge. Sie war die Privatmoschee des Scheichs und seiner Familie.

Gemeinsam bewundern wir die Kalligraphie, die Mihrab und die dekorativen Elemente der persischen Künstler. Die Akribie, mit der all das einst vollführt worden ist, scheint einer anderen Welt zu entstammen.

Scheich-Lotfollah-Moschee ist ein perfektes Beispiel persischer Architektur. Es fällt uns schwer, den Blick abzuwenden, dabei gibt es doch noch so viel anderes zu entdecken.

Die Südseite des Platzes wird von dem massiven Komplex der Schah-Moschee umschlossen. Deren Eingangsbereich liegt in einer Linie mit dem Platz, aber der Rest des Gebäudes weicht um etwa 45 Grad ab, um den Regeln für islamische Gebäude zu entsprechen und nach Mekka ausgerichtet zu sein.

Die Krone der Schah-Moschee ist die riesige Kuppel über der Gebetshalle, die 52 Meter hoch ist. Diese ist von außen mit einem Muster aus beigen, spiralförmigen Arabesken auf hellblauem Grund gefliest und vermittelt den Eindruck, als würde sie über den anderen: den überdachten Kuppeln schweben.

Wir waren zu einem Konzert eingeladen, und zwar nicht zu irgendeinem Konzert: Die Schüler der Musikschule von Isfahan haben an diesem Tag ihr Examen bestanden. Auf dem Programm stand iranische Musik auf einheimischen Instrumenten – wir erleben also klangvolle Tradition aus erster Hand.

Von jeher versetzen die Boulevards und Parks von Isfahan alle Reisenden und Besucher in Erstaunen. Daran hat sich nichts geändert: Obwohl es fast 40 Grad warm ist, spazieren wir über breite Boulevards, die vom Grün der alten Platanen beschattet werden. Die Straße ist gesäumt von Geschäften und Fruchtbars.

Ein weiteres traditionelles persisches Gericht ist die Dizi-Suppe. Deren Verzehr ist ein ganzes Ritual, dem man in kleinen lokalen Restaurants noch heute frönen kann. Dizi besteht aus Lammfleischstücken in einer Brühe mit Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln.

Das ganze wird in einer Tonschale serviert, aus der man das Wasser ablässt, bevor darin der Rest mit einem Stampfer zerdrückt wird. Wir sind sehr dankbar für die freundliche Anleitung durch den Gastwirt. Schließlich wird Dizi mit Suppe, Brot und frischen Kräutern gegessen.

New Jolfa ist ein Viertel am Südufer des Flusses Zayande, das Schah Abbas für die armenischen Handwerker und Künstler aus Jolfa gründete, die er für den Bau von Isfahan einlud. Er gewährte den Armeniern besondere Privilegien und garantierte ihnen Religionsfreiheit. In Jolfa wurden mehrere Kirchen und eine Kathedrale gebaut.

Die Allerheiligenkathedrale von Vank wurde zwischen 1606 und 1655 erbaut.  Sie ist reichlich mit Ölgemälden verziert. Diese stellen eine Mischung aus verschiedenen Kunststilen dar – persisch, armenisch und europäisch.

An den Wänden sind Szenen aus dem Leben armenischer Heiliger, insbesondere des Heiligen Gregor, sowie Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zu sehen.

Der größte Teil der Produktion handgefertigter Kunstwerke stammt aus Isfahan. Das gilt besonders für persische Teppiche. Unser Führer Sirous lädt uns in das Teppichreich seines Onkels Hosein ein. In einer gemütlichen Atmosphäre versetzt er uns, einzig durch seine bildhaften Erzählungen, in die Behausungen der Nomaden.

Nachdem wir dort „angekommen“ sind, führt er uns in die traditionelle Kunst seiner Vorfahren ein. Die Teppiche werden aus Seide, Wolle und Baumwolle geknüpft. Je nach Region unterscheiden sie sich in ihrer Art: Isfahan, Tabriz, Kaspic, Mash, Baluch, Kerman, Kashan und bei den Nomaden Qashqai und Bakhtiari.

Zu den wertvollsten gehören die Isfahan – ein anderthalb mal zwei Meter großer Teppich mit 100 Knoten pro Quadratzentimeter wird in einem Zeitraum von etwa 10 Monaten bis zu einem Jahr geknüpft.

Wir verabschieden uns vom magischen Isfahan bei einem gemeinsamen Abendessen mit lokalen Spezialitäten im Restaurant Shahrzad.

Von Isfahan sagt man, es liege am anderen Ende der Welt. Wir waren dort, an diesem anderen Ende. Aber obwohl uns anfangs alles sehr fremd vorkam, haben wir uns nie fremd gefühlt. Im Gegenteil: Wir reisen ab mit dem Versprechen, eines Tages zurückzukehren.

Euer Reiseteam vor Ort.
Mirka, Gerd, Sirius und Dima